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Mit bescheidenen Mitteln und viel Idealismus geholfen

Es war nicht zufällig der Florianitag des Jahres 1868, an dem sich einige Innernzeller Männer um den Schuhmachermeister Xaver Jäger trafen und die Freiwillige Feuerwehr Innernzell zu gründen. Schließlich gilt der Heilige als Schutzpatron der Feuerwehren. Der Schutzbereich der ersten Wehr war groß, er deckte auch die Bereiche Gmünd und Hilgenreith ab, die heute über eigene Wehren verfügen. Über 22 Jahre war Xaver Jäger als Gründungskommandant im Dienst der Allgemeinheit.

Die Innermzeller Feuerwehr im Jahr 1893: 1. Vorstand/Bürgermeister Josef Köck (Mitte, doppelter weißer Helmbusch), 1. Kommandant Josef Bauer (Mitte, einfacher weißer Helmbusch)

So kann die Feuerwehr Innernzell dieses Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken, ein Fest, dass von 25. bis 27. Mai gebührend gefeiert werden soll.

Über die Zeit bis zum zweiten Weltkrieg sind nur wenige Aufzeichnungen überliefert. Doch steht in der neuen Chronik, die die Wehr zum Anlass der Jubiläums erstellte: „Man muss heute noch den damalig Verantwortlichen Dank und Respekt zollen. Mit bescheidenen Mitteln, aber mit viel Idealismus, Tatkraft und Einfallsreichtum wurden Brände verhütet, bekämpft und den Betroffenen geholfen.“ Zu der ersten Ausrüstung zählten eine hölzerne Leiter, eine Handspritze, eine Haspel und eine Wagenlaterne. Entsprechend den damaligen Verhältnissen war die Ausrüstung natürlich gering. Ein einfacher kleiner Anbau auf dem Anwesen Preiß diente als erstes Gerätehaus. Doch auch mit diesen bescheidenen Mitteln wurde die Feuerwehr am 11. September zu ihrem bisherig größten Einsatz gerufen. Gegen 3:00 Uhr morgens brach im damaligen Anwesen Wildfeuer ein Feuer aus ungeklärter Ursache ausbrach. Durch die enge Bebauung weitete sich das Feuer schnell zum Großbrand aus. Es konnte nicht verhindert werden, dass das heute nicht mehr vorhandene Anwesen Wildfeuer sowie die Anwesen Bartl und Pfeffer, die Brauerei Zinsmeister und die Nebengebäude des Anwesen Preiß völlig niederbrannten. Die Chronik erzählt, dass zwei Jahre vor dem Unglück Josef auf dem Weg nach Eppenschlag der zwischen Kleinarmschlag und Fürstberg der verstorbene Gotthard-Bauer von Lungdorf erschien und prophezeite ihm, dass am 11. September 1911 ganz Innernzell abbrennen würde. „Die Erscheinung sowie die Prophezeiung erregten seinerzeit viel Aufsehen und Berichte darüber

gab es in allen möglichen Varianten. Unter anderem hat sich auch der Heimatdichter Franz Schrönghamer-Heimdal aus Eppenschlag mit dieser Geschichte befasst“, so die Chronik. Man stellte zwar Brandwachen auf, die aber die Katastrophe nicht verhindern konnten.

Im Jahr 1930 wurde am östlichen Dorfeingang ein eigenes Gerätehaus gebaut, nicht viel Größer als eine Garage mit einem hölzernen Turm. Dort fand auch die neue Motorspritze von Magirus ihren Platz. Diese war auf einem zweirädrigen Fahrgestell montiert und hatte eine Leistung von 400 Liter pro Minute. Fast 50 Jahre bis ins Jahr 1980 war dies die Heimat der Feuerwehr Innerzell. Im Jahr 1928 verfügte die Wehr über eine aktive Mannschaft von 85 Mann, eine nach heutigen Maßstäben sehr stattliche Größe. Als bitter wurde so empfunden, dass die Feuerwehr im Jahr 1938 aufgelöst und der SS- und Polizeigerichtsbarkeit unterstellt wurde.

Nach dem Kriegsende wurden in Bayern die Freiwilligen Feuerwehren wieder eingeführt. Durch die Kriegsheimkehrer aufgefüllt, erreichte die Innernzeller Wehr in den ersten Nachkriegsjahren ihre größte personelle Stärke. 1948 zählte die Wehr 102 Mitglieder. Trotz schlechter finanzieller Lage wurde bald nach dem Krieg die Ausrüstung erweitert. Im Dezember 1952 wurde das erste Transportfahrzeug für die Motorspritze TS4 angeschafft. Es handelte sich um ein ehemaliges Wehrmachtfahrzeug der Marke Steyrer (Baujahr 1944, 1,5t). Der Kaufpreis wurde vollständig aus der Vereinskasse bezahlt.

Unter den Kommandanten Josef Brunner (ab 1950) und Josef Garhammer (ab 1962) wurden zahlreiche Anschaffungen getätigt, so eine neue Motorspritze der Firma Metz, die sich bis heute im Bestand der Wehr befindet. Ab 1961 fand diese Spritze ihren Platz in einem Anhänger. Erste Leistungsprüfungen zeugen von dem zunehmenden Ausbildungsstand und Professionalisierung der Innernzeller Wehr.

Das erste „richtige“ Feuerwehrfahrzeug wurde am 22. März 1971 in Betrieb genommen. Es handelte sich um einen gebrauchten Borgward. Mit dem LF8 II von Magiurs Deutz schaffte man im Jahr 1980 ein modernes Löschfahrzeug an, der Kaufpreis betrug damals fast 140 000 DM. 30 Jahre lang war dieses Fahrzeug in den Diensten der Feuerwehr Innernzell.

Die neue Ausstattung und die Fahrzeuge brauchten auch mehr Platz. So wurde südlich der Volksschule in den Jahren 1979 und 1980 das neue Gerätehaus gebaut. Um den steigenden Aufgaben gerecht zu werden, ergänzte man im Jahr 1997 den Fuhrpark durch ein gebrauchtes TLF 16/25. Das damals schon 24 Jahre alte Fahrzeug wurde hauptsächlich aus Spenden der ortsansässigen Betriebe finanziert. Im Jahr 2010 ersetzte dann das LF 20/16 die beiden in die Jahre gekommenen Fahrzeuge, im Jahr 2015 ergänzt durch einen neuen Mannschaftstransportwagen, ein VW Transporter mit Allrad-Antrieb.

In der Chronik schreibt der 1. Vorstand der Feuerwehr Innernzell Johann Strasser: „Wir blicken auch in Dankbarkeit zurück auf jene Männer die vor 150 Jahren die Initiative ergriffen haben und bereit waren für Leben, Gesundheit und Besitz ihrer Mitmenschen im Notfall Hilfe zu leisten. Wir blicken aber auch voller Zuversicht in die Zukunft und wünschen der Freiwilligen Feuerwehr Innernzell, dass sie auch in Zukunft in Kameradschaft zusammenstehen möge, um alle kommenden Herausforderungen zu meistern.“